From the Blogdrüben

Was mich jeden Morgen aufstehen lässt: über meine Mission und über Marketing!

Istanbul, 7:30, Tag 347

Heute Nacht in einem Hochhausgewirr den Parkplatz eines Kunden, unseres Zieles gesucht, mehr umher geschaut, aber nirgendwo blaue P Schilder gefunden, überhaupt keine Ahnung entwickeln können, wo zu parken sei. Dann das gleiche von vorn, von einem anderen Standort aus, und dann immer wieder. Die Fahrten zwischen den Suchen habe ich ausgeblendet, es ging im Traum nur um das umherschauen zwischen den gläsernen Hochhäusern und den Plätzen dazwischen, alles übrigens menschenleer! Jetzt fällt mir wieder ein älterer Traum ein, der am Ziel in einem Parkhaus spielte, mit gewundenen Auffahrten, niedrigen Decken, aber davon habe ich heute Nacht nicht geträumt.

Bin mit leichten Halsschmerzen und zuer Nase aufgewacht, das hatte sich Aleyna gestern schon von der Schule mitgebracht, und an mich weitergereicht. Sich dann in der Morgenmeditation auf den Atem zu konzentrieren, ist bei einer Erkältung immer eine ganz besondere Herausforderung. Früher haben die Zigaretten überhaupt nicht mehr geschmeckt, heute ändert der Schnupfen die Atmung, so dass die Meditation erst mal nicht mehr schmeckt… krass!

Bin zum Glück wieder versöhnt etwas mit den Erregungswellen, deshalb soll es heute um kein neues iPhone und auch um kein krankes Schwein mehr gehen, sondern um meine Mission!

@heyamerrae Excellence is not an act, but a habit. // lovely card from the lovely @sarahkpeck

 

Seit Wochen schon versuche ich rauszukriegen, auf welcher Mission sind wir eigentlich. Oder haben wir gar keine? Ok, einfach einen guten Job machen, tolle Software entwickeln, echten Support leisten, ein nützliches Produkt haben, dabei mit eher Freunden als Kollegen zusammen arbeiten, Spass und Freude haben, Sicherheit fühlen, sich entwickeln können, das sind so die Dinge, die mir sofort einfallen. Das ist doch schon mal so etwas wie eine Mission!

Sie hat dazu geführt, dass wir mit fast 60 Leuten (58 bei der letzten Zählung, davon 32 fest Angestellte) in unserer Organisation mtc zusammen arbeiten. Und irgendwie ist es passiert, dass uns der Laden sogar gehört, also mir, zusammen mit einem mich wunderbar ergänzenden Partner. Geplant war das alles so nicht! Es ist einfach passiert, es ist das Ergebnis von langjährigem Machen, täglichem Tun, immer wieder, dran bleiben, nicht aufhören, nicht wegrennen, sondern stehen bleiben und das tun, was zu tun ist. Die vielen die geblieben sind, glauben wohl daran, dass das Leben/die Arbeit zusammen -in genau dieser Form- einfach besser ist, als allein oder woanders.

Was ich aber auch sehe ist, dass eigentlich ein Mangel bei unseren Kunden, ein Mangel an professioneller Unterstützung, an gutem Handwerk, an verlässlichen Mitarbeitern dazu geführt hat, dass wir ein Geschäft daraus machen konnten, dass uns andere dafür bezahlen, ihren Job besser als sie selbst zu machen. Dabei ist es einfach so, dass immer noch ca. 20% aller IT-Arbeiter in den grossen Konzernen von Dienstleistern wie uns stammen, trotz steigender Industrialisierung und massivem Outsourcing in mehreren Stufen und Wellen in den letzten 20 Jahren.

Eine hohe Anpassungsfähigkeit an die Strukturen und Ziele der Kunden ist dabei die Voraussetzung für eine langjährige Partnerschaft. Und genau deshalb heissen wir Moving Targets Consulting. Wir sind nicht wettbewerbsorientiert, nicht produktorientiert, wir sind nicht mal wirklich technologieorientiert (nur technologiebegeistert;). Wir sind wohl ganz einfach vor allem kundenorientiert. Dabei immer unauffällig, anschmiegsam, bescheiden und immer da, wenn es Probleme gibt, immer mit einer Idee einer Lösung, sich dabei niemals vor den Kunden drängelnd, wenn es um das Feiern der Erfolge geht, fast bis zum Verlust der eigene Marke, die eigenen Identität.

Was ich noch sehe, ist ein Mangel an qualitativ hochwertigen Informationen (über neue Patentveröffentlichungen) bei unseren Kunden, welcher dazu führt, dass wir ebenfalls dafür bezahlt werden, eigentlich frei verfügbare Informationen professionell zu indizieren, zu durchsuchen und für die Weiterverarbeitung aufzubereiten. Eine extrem hohe Verlässlichkeit, fast schon eine gewisse Trägheit, dabei extrem tiefes Nischenwissen gepaart mit der Fähigkeit einen Prozess, immer wieder genau gleich ablaufen zu lassen ist hier die Voraussetzung, um jeden Monat die Gehälter zahlen zu können.

Soweit so gut! Ich bin dankbar und riesig stolz darüber, was mein Team daheim in Berlin jeden Tag leistet, so dass wir seit unserem Start zu zwölft in 2006, nun fünf mal so gross sind oder noch dramatischer ausgedrückt um 500% gewachsen sind, was einem jährlichem, organischem Wachstum von etwa 25% entspricht. Ohne Zukäufe, ohne Fremdkapital, alles aus eigener Kraft finanziert und gemacht. Im letzten Jahr hat unsere Bilanzsumme die 1 Mio € übersprungen, in diesem Jahr knacken wir erstmals die 4 Mio € Umsatz, bei gleichbleibend guter Ertragslage.

Das schreibe ich hier heute wohl alles nur auf, weil irgend etwas in mir möchte, dass wir die Texte auf unserer Webseite endlich mal aktualisieren. Damit das, was auf unserer Homepage steht, und wie es dort aussieht, besser widerspiegelt, wie es auch wirklich ist. Denn wir sind doch so sehr eine Webcompany, wir sind immer Online, haben grosse Teile unserer Infrastruktur in der Cloud, entwickeln Lösungen nur noch im Web für unsere Kunden und uns, beraten und begleiten den digitalen Wandel, der überall stattfindet.

Aber all das ist bisher ohne eine ordentliche Webseite, also ohne klassische Werbung im Internet entstanden, und dies klingt jetzt irgendwie nach Old Economy. Aber unsere einziges Marketing war von Beginn an immer nur erst mal einen guten Job zu machen und dann den Kunden/unsere Partner darüber reden zu lassen.

Ich glaube wirklich daran, dass wir so weniger scheinen, als wir tatsächlich sind. Aber ich fand es immer besser, dass unsere Kunden, unsere Partner und und auch unsere Mitarbeiter uns eher unterschätzen, denn die Chancen, Erwartungen zu erfüllen und oft sogar überzuerfüllen, steigen damit ganz einfach.

Dies ist ein viel ehrlicheres Marketing, als umgekehrt, seine Ziele und Wünsche ins Web dieser Welt zu rufen, und dann deren Erfüllung hinterher zu hecheln, sich abzurackern und dabei oft genug auszubrennen. Es ist so viel besser, zu sein, was man ist, als ständig zu versuchen, das zu werden, was man gerne sein möchte!

Und ich weiss, wovon ich rede, denn in den ersten sieben Jahre meines Unternehmer seins bis 2005 habe ich genau das gemacht: wir sollten und wollten eine deutschlandweit tätige Unternehmensberatung mit xx mal mehr Mitarbeitern sein, als wir tatsächlich hatten, die immer alles können und alles wissen. Ich habe mir Fallstudien aus den kleinsten Projekten aus den Fingern gesaugt, die so erschienen, als ob wir es waren, die Grossprjekte, ja ganze Grossbanken vor dem sicheren Untergang durch Pleite bewahrt hätten. Auch wenn es nur einen Briefkasten in Stuttgart und Münster gab, hatte wir dort jahrelang ganze Niederlassungen. Bezeichnenderweise trudelten in den Briefkästen immer nur die Werbung anderer ein, aber keine erstgemeinte Anfrage, die zu einem Job, einem Geschäft führte. Im Gegenteil, durch diese extremen Übertreibungen entstand sehr viel Frust (bei mir).

Und ich habe mir beim Neustart in 2006 fest vorgenommen, genau damit aufzuhören. Es wird immer klarer, immer deutlicher! Vor allem, wenn ich an einige derjenigen denke, die seit dem Neustart nicht mehr dabei sind, denen vermutlich dieses Ziel fehlt, diese Motivation durch das  noch nicht vorhandene, das Unerreichbare. Also das ist schon mal keine Mission für uns/für mich.

Was ist es dann? Mir fällt immer wieder die glasklare Mission von Facebook ein: make the world more open and connected. Nach solch einem Satz suche ich wohl auch und ich warte darauf, dass sich irgend etwas in meinem Bauch manifestiert, was sich auch so einfach, verständlich und klar anhört. Etwas, für das sich lohnt, jeden Tag aufzustehen, etwas, dass alle begeistert, die daran mit arbeiten. Wenn ich den einen Satz finden möchte, dann versinke ich jedes mal in chaotischem Rauschen. Sicher, wenig später schon – egal, wo ich hinschaue- sehe und finde ich viele, viele Anregungen, sehe klarer, wie andere zwar eine Mission haben, aber dann eben doch (noch) keine truly mission driven company sind.

Aber vielleicht übernehme ich so lange, bis es mir gelingt, meine ganz eigene Mission zu formulieren, die dort oben. Denn sie gefällt mir wirklich! Ich spüre ganz klar, wie mich das ungeheuer anzieht, wie ich beobachten und vielleicht sogar daran mitarbeiten möchte, diese Welt zu einem offeneren und besser vernetzten Ort zu machen.

Mich interessiert ganz kolossal, wie die Mitarbeiter unserer Organisation, unserer Kunden und unserer Partner, wie die ganze Branche, das ganze Land, der ganze Kontinent, ja -die ganze Welt- offener, ehrlicher, transparenter, besser vernetzt, miteinander kommunizieren, arbeiten und leben.

Unser australischer Designer Brent, der seit Februar in unserem Team ist, schickte mir heute morgen dies hier:

It’s not about ideas. It’s about making ideas happen.

It’s through mistakes that you actually can grow. You have to get bad in order to get good.

There is no such thing as finishing or failing. It’s all about the doing.

Track your small wins to motivate big accomplishments.

Every team member who brings intelligence, experience and passion to their creations should be called an artist or designer.

Focus on the excitement and it will lead you through the obstacles.

It’s not about the amount of wealth you can accumulate, it’s about the impact and change you can create.

Everyone gets stuck in the process of creating. It’s the great among us who religiously practice getting unstuck.

Don’t hesitate in taking risks and testing out an idea that you’re passionate about.

To execute a vision, good or bad, you’ve got to tune out the noise.

Continue to reinvent. Keep things moving, changing, growing and always a little bit out of reach.

You don’t need anyone else’s permission to create. Greenlight yourself and get to work.

Die auf mich oft sehr weise wirkende Moneymachine Seth Godin schrieb gestern auch irgendwie über das Thema Change/Wandel durch die neue, breite Verfügbarkeit von digitalen Tools:

Just because you know how to use a piece of software or a device doesn’t mean that there isn’t an amateur who’s willing to do it for free, or an up and comer who’s willing to do it for less.

[If you want to get paid for your freelance work…] then you need to develop both skills and a reputation for those skills that make it clear to (enough) people that an amateur solution isn’t nearly good enough, because you’re that much better and worth that much more.

Und ich würde sogar hinzufügen, dass das nicht nur für die Arbeit von Freiberuflern gilt, sondern sogar für alle Dienstleistungen!

Dann habe ich mir gestern auch das erste Interview von Mark Zuckerberg seit dem Börsengang angeschaut. Den ersten Teil am Anfang fand ich besonders spannend, hier so etwa bei 5:00 spricht er über den Zusammenhang zwischen Mission und Geschäft:

Building a mission and building a buisness goes hand in hand. The primary thing I get excited about, is our mission. But from the very beginning, we had this healthy understanding, we need to do both!

Er erklärt weiter, dass es dazu zuerst natürlich ein tolles Team braucht und eigentlich alles miteinander verwoben ist, Mission, Team, Tools und Geschäft. Aber bei Minute 7:00 spricht er im Zusammenhang mit dem niedrigen Aktienkurs über sein Verständnis von Motivation und das daraus resultierende Marketing:

What really motivates people at Facebook is building stuff, they are proud of. Thats universal. What resonates with a lot of people: Ok, I’m building something and show this to my friends and my family and I’m going to be proud, to do that. One of the things we found, when we release apps […] it drives a lot of recruiting, because people come to us and say: I want to work at this place, because your guys build that, and your are doing one of the most interesting stuff out there.

Diesen Samstagspost möchte ich beenden mit einem Artikel von Thomas Knüwer über Marketing in Zeiten des digitalen Wandels, der mir in vielen Punkten aus der Seele spricht und auch weil ich in der nächsten Woche einen Workshop zum Thema Facebook bei einem sturzkonservativen Kunden in Hamburg habe:

“Marketing ist die Planung, Koordination und Controlling aller auf die aktuellen und potenziellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten.” […] 

Das ist eine ganze Menge Holz. Noch dazu – wenn wir über digitales Marketing reden – in einem Feld, das noch immer jung ist und sich rasant verändert. Sich damit auseinanderzusetzen erfordert Zeit, Engagement, Schweiß und Tränen. All jene Dinge, die im Tagesablauf einer Unternehmensführungskraft knapp oder nicht gefragt sind. […]

Inzwischen ist den meisten Marketingverantwortlichen klar, dass sie doch irgendwie auf diesen Plattformen aktiv werden müssen. Was sie dort in den meisten Fällen machen: Werbung. Bevorzugt besteht diese Werbung aus Gewinnspielen und zu gewinnen gibt es vor allem iPads (auch hier ist Kreativität ein rares Gut).

Dabei ahne ich ja, dass sich der Artikel hauptsächlich an die Marketingverantwortlichen von grossen Firmen/Konzernen, den potentiellen Kunden von Herrn Knüwer richtet. Aber ich versuche wirklich hart, genau keine=zero Werbung und es anders und damit vielleicht besseres Marketing zu machen!

So, das ist jetzt aber ganz ganz schön viel Input für einen Samstag geworden. Irgendwie könnte ich noch weiter schreiben, ich hab ja noch so viel mehr gemacht. Ist schon superkrass (sorry, Jörg;), zu wie viel Krams so ein -durch Erkältungsfieber leicht aufgeheiztes- Hirn manchmal in der Lage ist, oder?

Wünsche Euch allen ein wundervolles Wochenende!

Comments

  1. Das ist soooo wichtig, zu wissen, was die eigene Mission ist, für was es sich lohnt, früh aufzustehen und nachts spät ins Bett zu gehen, wovon man nachts träumt und am Tage brennt. “Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie”, sagte Nietzsche. Da hat er sicher recht, mein alter Lieblingsphilosoph. Meine Mission als Autorin und Filmemacherin? Geschichten zu erzählen, die den Menschen Mut zum Leben machen.
    Und jetzt mal kurz auf unsere Facebook-Seite gehen, da seht ihr zwei schöne und vertraute Gesichter… 😉 : https://www.facebook.com/MutzumLeben.Filmprojekt?

  2. Das ist ein schöner Text und beachtliche Gedanken. Besonders gefällt mir das Zitat des australischen Kollegen: “It’s not about ideas. It’s about making ideas happen.” Darin steckt eigentlich alles, wenn man diesen Gedanken in seiner ganzen Tragweite akzeptiert hat.

    Auch die beschriebene Wandlung, das ewig propagierte “Mehr Schein als Sein” des modernen Social Media Getue aufzugeben, hat mich sehr angesprochen. Es ist sicherlich eine längere Zeit und Erfahrung nötig, um den Mut zu finden, wieder zu Werten zu stehen und eine zeitgemäße Umsetzung dieser Haltung zu finden. Aber sie ist nötiger den je.

    Die “Hitze” hat sich gelohnt, die Reflektion trägt Früchte. Thanks for sharing!

    Über EAV gefunden.

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