From the Blogdrüben

Kein Kopfschmerz, sondern…

Istanbul, 7:12, Tag 341

Heute bin ich mit einem Gefühl grosser Panik aus meinem Traum erwacht. Es war schon mein Zweiter und ich habe heute doch wieder Notizen gemacht. Halb Eins war ich das erste Mal wach, dieser Traum kommt aber auch mit meinen Notizen nicht wieder zurück in mein Bewusstsein: ein Mann draussen, ein Russe, ein Zauberer drinnen. Ein Gang, ein Zimmer, vier Menschen, einer davon ich. Kommt er rein? Wir essen und liegen, horchen auf ihn, schliessen die Tür, haben Angst. Ich schlafe schnell wieder ein.

Dann bin ich wegen Kopfschmerzen beim Arzt, der mich für krank erklärt. Ich bin zurück in meinem Heimatdorf, in Landgrafroda und zeige jemandem im Auto Abkürzungen über Feldwege. Im Winter sei die Strasse tief verschneit, diese Wege würden passierbar sein. Ich zweifle selbst daran. Mitten auf dem Feld, oben auf dem Hügel zwischen den Dörfern wird mir erklärt, ich sei nicht krank. Meine Kopfschmerzen seien das Zeichen, dass ich mit jedem Tag meines Lebens ein Stück verrückter werden würde.

Ich wache auf und habe starke Angst, dass mein Leben zerfällt. Dass mtc zerbricht und deshalb ganz viele Menschen von mir enttäuscht sein werden… ich habe Tränen in den Augen, wenn ich das jetzt hier aufschreibe.

So, wie das gestrige Thema an der Oberfläche von etwas Grossem kratzte, so geht es mir heute wieder. Mehr als 58 Menschen arbeiten und leben zusammen in der Organisation, die seit April 2006 entstanden ist. mtc nenne ich immer öfter EmptySea. Und das macht mir richtig Angst. Jeden Tag werde ich ein Stück verrückter. Das ist für mich ein Bild für im Prozess sein, sich verändern, sich entwickeln. Und das macht mir Angst. Das rührt an der Urwunde, wie ich das auch gerne nenne. Und gleichzeitig erzeugt es aber auch dieses unbeschreibliche Gefühl, wirklich am Leben zu sein.

Endlich habe ich drei Sätze geschrieben, für Christas tolles Filmprojekt, das wir unterstützen. Endlich habe ich die Bestätigung geschrieben, für einen Freund, der mit uns arbeitet. Und dann kommt Aleyna rein, sagt Guten Morgen, legt sich zu mir, lacht mit mir. Und endlich ist die Angst -zwar nicht verschwunden, aber- transformiert…

Wünsche Euch mit diesem doppelten Lachen einen ganz grossartigen Sonntag!

Comments

  1. Wo viel Leben, da auch die Angst. Und wer Zugang zu seinen Gefühlen hat, spürt sie nun mal deutlicher als andere. Ich habe großen Respekt vor deiner Authentizität und deiner Ehrlichkeit dir selbst und anderen gegenüber!
    Danke für deine Unterstützer-Zeilen! Dich und Aleyna auf unserer Unterstützer-Seite zu haben, bedeutet mir viel.

Trackbacks

  1. […] produktive Angst von gestern ist heute morgen verschwunden. Ich hangle mich grade durch die Morgenzeitung, blättere durch die […]

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