From the Blogdrüben

Wollen kann man das nicht…

Berlin, 7:32, Tag 252

Beim Einschlafen geträumt, ab und zu wach gewesen, immer daran erinnert, im Moment des Aufstehen wars vergessen, auch der Morgentraum ist verschwunden, trotz Notizen komm ich nicht mehr ran. Meine Meditation ist sehr verträumt zur Zeit. Sie vergeht sehr schnell, scheint oberflächlich, dahin plätschernd, fast langweilig. Die Dauer scheint egal, ob 20 oder 50min, hat keine Bedeutung mehr. Es fehlt an Einsicht, an irgend einem Sinn, es fehlt am Wissen und vielleicht fehlt es auch nur an Geduld.

Ich arbeite zuviel (oder zuwenig;), aber es kommt mir ja nicht wie Arbeit vor. Es ist eher wie das Spielen der Gitarre für einen Gitarristen, der jeden Tag für seinen grossen Auftritt, seine nächste Aufnahme, die nächste Stufe seines Könnens übt.

Und es macht Spass zu üben, es ist ganz natürlich. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Es ist etwas, was man einfach tun muss.

Manche schauen Fussball mit Hingabe. Manche haben Autos und wissen alles über sie. Manche surfen durchs Web und bleiben Stunden um Stunden überall hängen. Manche spielen Spiele und können es nicht lassen. Manche laufen jeden Tag, Tag für Tag. Niemals würden sie auf die Idee kommen, über die viele Arbeit dabei zu klagen. Sie berichten von der Freude, den schönen Momenten, den Erfolgen, von den Siegen oder zumindest den vielen, winzigen Details ihres Lebens.

Und es ist eine Qual zu üben, das gehört dazu. Es fühlt sich an wie wirkliche Arbeit. Es ist etwas, was man einfach tun muss.

Es ist langweilig, immer das gleiche, immer wieder die Wiederholung der Wiederholung, alles schon da gewesen, keine Veränderung, keine Entwicklung, kein Sinn, fast Verzweiflung, Aufgabe und aufgeben liegen nah beieinander. Etwas kann immer immer stören, nicht ausreichen, nicht richtig oder fertig sein.

Ich nehme seit ein paar Jahren jeden Morgen ein Foto auf, kurz nachdem ich wach bin oder das Haus verlassen habe. Zu Beginn an der Kita meiner süssen Tochter/an unserem Bäcker, dann an immer den gleichen Stellen: am Ufer der Rummelsburger Bucht, an einer Ecker der Bergmannstr, aus dem Fenster in Istanbul, auf dem Dach hier in Berlin. Viele hunderte, vielleicht tausende Bilder habe ich so schon gemacht, von immer den gleichen Motiven.

Einfach so, weil ich es tun muss. Es ist nie eine Qual, es passiert immer einfach so. Ich bemerke nicht, wenn ich kein Foto mache. Vielleicht werte ich einfach nicht. Es gibt kein höheres Ziel, keine Aufgabe, es gibt nur das Tun. Und dann, nach vielen hunderten Morgen und noch viel mehr Bildern passiert doch etwas.

Man steht 10min zu spät auf, duscht ganz in Ruhe, zieht sich an und wieder aus, um sich zu wiegen und wieder an und schaut ganz kurz aus dem Fenster und da ist dieser kurze Moment, in dem man entscheidet, dem Impuls zu folgen und aufs Dach zu klettern. Man steigt die Treppen hoch, zieht das Fenster auf und steckt den Kopf raus und sieht…

Und dann macht es plötzlich alles Sinn. Dann fühlt man es. Und andere sehen es auch. Fühlen vielleicht, dass etwas besonderes passiert ist. Wollen kann man das nicht. Nicht wollen kann man das auch nicht. Und man kann es nicht faken, keine Chance. Die unerwartete Belohnung ist im Moment enthalten, mehr geht nicht. Und ich will es teilen, lächelnd…

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