From the Blogdrüben

Über meine erste echte Meditation…

Istanbul, 7:52, Tag 178

Auch heute geträumt, aber ein flacher, wenig intensiver Traum… bin 4min vor dem Wecker wach geworden, obwohl mir durch die späte Rückkehr aus Wien eigentlich 3h Schlaf fehlten, konnte aber noch froh 20min warten, bis die Trippelschritte zu hören waren.

Heute ist zum zweiten Mal in Folge InsightTimer abgestürzt, muss ich wohl mal löschen und neu laden. Die süsseste Tochter der Welt wachte zum zweiten Mal auf, meditierte mit mir ein, zwei Minuten… danach bemerkte ich durch einen Blick auf die Uhr, den ich normalerweise vermeide, um meiner Unruhe beim Sitzen kein Futter zu geben, dass die geplante Zeit schon überschritten war.

Gestern wurde ich gefragt, woher ich die Energie nehmen würde, mit Kind und Firma und den vielen Reisen trotzdem jeden Morgen hier zu schreibe. Ob das an der Meditation liegen würde, und wie ich das gelernt hätte… ich hab mir gestern schon gedacht, dass ich wohl in einem Absatz, und vielleicht in einem Tweet antworten würde.

Es fing alles vor mehr als sechs Jahren damit an, dass mir mein Freund Tony einmal zeigte, die man einfache Atem-/Sitzmeditation macht, also Hinsetzen und den Atem zählen, beim Einatmen Eins, beim Ausatmen Zwei, bis Zehn, dann von vorne. Er malte dazu ein Bild von einem U-Boot im Wasser und sagte, dass unserer Gehirn sich auch mal ausruhen müsste, und beim Zählen des Atems, würde sich das Hirn langweilen und ruhiger werden und mit leichten Hin- und Herschwüngen, liess er das U-Boot auf den Grund des gemalten Wassers sinken.

Dort unten, sagte er weiter, verliert man dann das Zeitgefühl… das wäre die eigentliche Bedeutung von Transzendenz und wenn das Gehirn in diesem Zustand sei, dann würde es sich endlich mal erholen können, was sonst nur in den Tiefschlafphasen nachts möglich ist. Dann hockte ich mich auf ein Kissen auf den Boden und ich begann, meinen Atem zu zählen.

Da sein Büro und Wohnung in der Einflugschneise von Tegel lag, hörte ich alle zwei Minuten ein tief fliegendes Flugzeug über mir… nach 2 Flugzeugen gongte es. Na, wie viel Zeit ist vergangen, fragte Tony. Höchstens 6 Minuten, ich hab nur zwei Flugzeuge gehört. Dann schau mal auf die Uhr! Es waren volle 20 Minuten vergangen und ich habe nicht geschlafen, das geht im Sitzen (für uns Europäer zumindest) eher schwer, ohne umzufallen.

Dann gab er mir ein Buch mit von Thich Nhat Hanh, einem vietnamesischen Zen Meister, der in Frankreich lebt und sagte noch: zwei Minuten jeden Tag würden schon reichen, um eine Wirkung zu erzielen. Versuche, es zu einer Gewohnheit zu machen. Aber in unsere Gewohnheiten stecken ungeheure Energien, und sie seien nur sehr schwer zu ändern.

An einen weiteren Tip zum Abschied nach meiner ersten Meditation erinnere ich mich noch: Achtung Arne, wer meditiert, kriegt mehr Kraft und Leistungsfähigkeit, das ist wie ein Turbo oder eine Kopfschmerztablette. Nutze es bitte nicht nur, um noch mehr zu arbeiten.

Ich glaube heute, mit diesen beiden letzten Sätzen war bei mir sehr effektiv die Saat gelegt. Ich wollte wissen, ob das tatsächlich eine Wirkung hat und natürlich beweisen, dass ich die Kraft habe, meine Gewohnheiten zu ändern. Seit dem probiere ich es immer wieder, und immer mehr, aus. Ich bemerkte sehr schnell, dass es stimmt, und ich mehr arbeiten kann. Aber die Geschwindigkeit der Veränderungen, die ich auch der Meditation zuschreibe, hat seit dem eher zugenommen und erstreckt sich nicht nur auf meine Leistungsfähigkeit und Schmerztoleranz, sondern inzwischen auf alle Bereiche meines Lebens.

Oje, ist das jetzt schon wieder viel geworden… wollte doch noch was ganz anderes schreiben. Aber erst mal ein paar Bilder, meines gestrigen Spaziergangs nach dem XML Raw Data Day des EPO’s in Wien. Einmal kurz über Schwarzenbergplatz, an der Oper vorbei über den Karlsplatz zurück zum Rennweg, mehr Zeit war leider nicht.

Der Riesenspringbrunnen am Schwarzenbergplatz gab ein dankbares Motiv in der Spätnachmittagssonne…

Und ist beliebter Leseplatz bei Wienern, trotz Sprühregen bei drehenden Winden…

Dann mit dem Flieger um acht zurück, und um kurz nach Mitternacht (durch die 1h Zeitverschiebung) war ich zu Hause und wenig später schon im Bett.

Heute morgen begrüßte mich mit einem etwas zu hohen Landeanflug eine Möve, wieder mit ganz tollem Licht hier in Gayrettepe.

Hey, eben entdecke ich noch ein Flugzeug in dem Bild… ganz klein, Hammer! Das wollte ich schon länger mal schaffen, Flugzeug und Möve auf einem Bild und ohne es zu wollen, gelingt es mir heute morgen. Sehr schön.

Mit einem glücklich, zufriedenen Lächeln verabschiede ich mich jetzt aber in den Donnerstag von Euch! Lasst es Euch gut gehen! Und bestimmt schreibe ich Euch morgen, was ich heute nicht geschrieben habe… 😉

Comments

  1. So wird man ein Lehrer 🙂

    Sehr schöner Artikel und toll erklärt, was es ist und macht!

    Liebe Grüße nach Istanbul sendet Tony

  2. SchBlaBla says:

    Ich würde sagen, mein erster Versuch ist kläglich gescheitert. Die Waschmaschine im Hintergrund und polnische Nachbarn die sich das Polen-Russland Spiel anschauen waren wohl nicht die besten Voraussetzungen.. Ich bin auf jeden Fall entspannter und ruhiger gewesen, aber ganz weg war ich nicht. Ich habe stets mein Atem gezählt und versucht die Hintergrundgeräusche auszublenden. Vielleicht war der aktive Versuch diese auszublenden mit mehr Energie verbunden als ich dachte. Nun gut. Ich werde es gleich morgen erneut versuchen. Jedoch habe ich nun einige Fragen:

    1. Ist es egal wann man meditiert? Morgens, Mittags, Abends? Ist es wie “Sport” anzusehen? Es gibt ja die Morgensportler und die Abendsportler, ist es beim Meditieren ähnlich?

    2. Zählst Du noch immer Deinen Atem wenn Du meditierst oder bist Du einfach in dem Zustand in dem Du sein willst, wenn Du Dich dazu entschlossen hast?

    3. Wie lange meditierst Du? Und stellst Du Dir einen Wecker für den Fall, dass Du mal länger weg bist?

    Entschuldige bitte, falls ich arg dumme Fragen stelle. 😉 Und Danke. Ich wollte es schon immer mal mit Meditieren versuchen, habe mich da aber nie ran getraut, da ich nicht wußte, wie anfangen…

    • Danke fürs Beschreiben deiner Erfahrungen! Ein Scheitern gibt es nicht beim Meditieren, also das vorweg… Störungen gibt es auch immer, entweder von aussen oder gerne auch von drinnnen! Es geht darum, nicht zu werten und nicht hängen zu bleiben in den Störungen, sondern wieder zurück zum Atem zu finden. Du beschreibst das so, also ob Du genau das gemacht hast… toll!

      Zu Deinen Fragen:
      1. ja, ist “eigentlich” egal… bewährt hat sich sicherlich die Morgenmeditation, einfach eine halbe Stunde eher aufstehen und ins Morgenprogramm einschieben. Der Kopf füllt sich im Laufe des Tages mit frischen Eindrücken, die die Meditation doch sehr bestimmen können. So machte es einen Unterschied, ob ich schon Twitter gecheckt hab, vor der Meditation, weil Gedanken auftauchen, die mit den Tweets zu tun haben… Abends geht es gut im Bett, einfach zum Schlafen hinlegen, und statt zu lesen, noch 5 Minuten den Atem zählen oder einfach an die schönen Dinge denken, die am Tag passiert sind und danach einschlafen. Man ist doch eher müde, abends. Für die Entwicklung einer Gewohnheit ist halt ein fester Platz im Tagesablauf ganz gut, wenn die Gewohnheit erst etabliert ist, dann kann man variieren. Es helfen auch immer (Meditations-)Gruppen, man ist konzentrierter, es hilft einfach sehr, das mit anderen zu machen. Der Schlüssel ist Achtsamkeit (und nicht Regel, zumindest für mich), ich empfehle für einen Zugang zu Meditation das Buch: Ich planze ein Lächeln von Thich Nhat Hanh, das half mir sehr, zu verstehen, was der eigentlich Sinn ist…

      2. Ich zähle immer noch, es beruhigt mich immer. Aber ich habe noch zusätzliche Hilfen entdeckt, auf den Atem konzentrieren, also auf alles(!) was damit an und in meinem Körper passiert, oder auch meinen Körper durchgehen in Gedanken und mit den Organen sprechen (mal danke sagen, bei der Leber, für die tolle Leistung und sie anlächeln dabei). Klingt vielleicht bekloppt, aber ich finds ab und zu, vor allem, wenn was wehtut oder krank wird, ganz angenehm, sich ganz aktiv mit seinem Körper zu verbinden und nicht immer nur davon auszugehen, dass alles schon funktionieren wird…

      3. Ich stell mir immer ne Stoppuhr am iPhone. Heute mach ich mindestens 20 Minuten, aber angefangen hab ich mit 5 und 10, dann 20, die ich in den ersten Jahren aber oft nicht durchgehalten und abgebrochen habe…

      Es gibt auch Aufnahmen mit geführten Meditationen, vielleicht hilft das, wenn Du niemanden kennst oder hast, der Dir das mal live zeigen kann.

      Ich hoffe, meine Antworten helfen etwas… würd mich freuen, wenn Du dran bleibst und es ab und zu weiter versuchst und berichtest!? Lieben Gruss, Arne

  3. SchBlaBla says:

    Hallo Arne,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort. Was Du beschreibst kenne ich bereits vom Yoga. Dieses “sich auf die Atmung konzentrieren” oder “einen Gedanken kommen, begrüßen und vorbeiziehen zu lassen” Auch die Konzentration auf den Atem und die einzelnen Körperteile oder Organe (samt des Anlächelns) sind mir vom Yoga bekannt (und ja, am Anfang klang und wirkte das in der Tat sehr merkwürdig und leicht bekloppt).

    Habe das Gefühl, das Meditation auch Yoga ist – irgendwie. Denn wenn ich auch die Abfolge von Asanas nicht durchführe, sondern einfach im Kind liegenbleibe und mich auf meine Atmung konzentriere ist es Yoga. Was ja dem Meditieren gleichkommt (?).

    Jetzt aber doch noch eine Frage. Heißt es, ich “muss” gar nicht im Sitzen das Meditieren praktizieren? Es geht auch im Liegen? Ist die Gefahr dann nicht zu groß, dass man einfach einschläft?

    Ich werde vorerst auf jeden Fall dran bleiben, es aber anfangs für mich zu Hause alleine probieren. Ich werde sicherlich berichten & bei der einen oder anderen Frage mich auch gerne an Dich wenden, wenn ich darf.

    Vielen Dank.
    Sonnige Grüße aus Wiesbaden (trotz des Regenwetters)
    Şebi

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